Pressestimmen

zur Ursula Mattheuer-Neustädt Ausstellung
- 2. Dezember 2004 bis 22. Januar 2005 -

Leipziger Volkszeitung
Sonnabend / Sonntag, 4. / 5. Dezember 2004
Kerstin Decker

Leute in Leipzig

So viel prominente Besucher sah die Galerie Villa Bösenberg in Gohlis lange nicht: Bei der Eröffnung der Ausstellung von Ursula Mattheuer-Neustädt am Donnerstagabend schaute unter anderem Leipzigs Alt-OBM Hinrich Lehmann-Grube in der Erfurter Straße 4 vorbei. Auch die Schriftsteller Erich Loest und Werner Heiduczek, Kunstmäzen Freiherr Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, die Maler-Witwe Brigitte Tübke sowie Ex-Planungsbeigeordneter Niels Gormsen kamen, um Leipzigs derzeit bedeutendster Künstlerin - wie es in der Laudatio hieß - die Referenz zu erweisen. Zu sehen gab es eine kleine Sensation: Ausstellungsmacherin Jutta Schrödl ist es gelungen, 115 Bilder der Maler-Witwe Ursula Mattheuer-Neustädt zu zeigen. Einige davon hingen bislang im Wohnzimmer von Wolfgang Mattheuer, viele andere waren noch nie öffentlich zu sehen. [...]


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Leipziger Rundschau
Mittwoch, 8. Dezember 2004
Traudel Thalheim

Intime Einblicke in ein langes Eheleben

"Ich hatte immer geglaubt, dass ich alle Arbeiten von Ursula Mattheuer-Neustädt kenne. Dabei stimmt das gar nicht, wie ich jetzt bei dem Galerie-Rundgang durch ihre Ausstellung konstatieren muss. Ich bin sehr beeindruckt von ihrer künstlerischen Vielfalt", erklärt Literaturwissenschaftler Prof. Manfred Diersch in der Gohliser Villa Bösenberg. Auch Schriftsteller Erich Loest und Komponist Prof. Dr. Ottomar Treibmann, der unter anderem zwei Cellostücke für Wolfgang Mattheuer geschrieben hat, entdecken in jedem der Ausstellungsräume unter den 115 Bildern der derzeit bedeutendsten Leipziger Künstlerin immer wieder für sie Neues.
"Wolfgang hat sie mit mir gemeinsam ausgesucht", erzählt sie, dabei liebevoll das Porträt ihres geliebten Mannes streichelnd, der vor acht Monaten plötzlich verstarb. "So sah Wolfgang als Student 1946 aus, als wir uns kennen lernten." Etwas verloren steht sie inmitten des Raumes, dem sie ihren Mann widmet, obwohl sich Besucher vor den hier zu sehenden 36 Bildern drängen: Mattheuer am Küchentisch, Mattheuer beim Lesen, Mattheuer bei der Gartenarbeit, Mattheuer beim Strandurlaub in Binz ... Intime Einblicke in ein langes gemeinsames Leben, festgehalten von der Künstlerin und Ehefrau. Die Frage des Schriftstellers Werner Heiduczek, guter Freund der Mattheuers, ob sie wieder male, verneint sie. Sie könne es einfach noch nicht. Der Tod von Wolfgang habe sie zutiefst getroffen.
Dr. Renate Hartleb bezeichnet Ursula Mattheuer-Neustädt in ihrer Laudatio als eine tiefsinnige Künstlerin, die mit lyrischer Zartheit ihren Blick auf die Welt dem Betrachter näher bringt.
Galeristin Dr. Jutta Schrödl ist glücklich, dass so viel Prominenz gekommen ist. So der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, Kunstmäzen Freiherr Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, der einstige Klinikdirektor und Chefarzt des Diakonissenhauses Prof. Dr. med. Christian Tauchnitz und die Witwe des Malers Wolfgang Tübke ... "Ich freue mich, Ihnen Arbeiten einer Künstlerin zu zeigen, die vor 58 Jahren aus dem Vogtland nach Leipzig kam und hier gemeinsam mit Wolfgang Mattheuer "festwurzelte", erklärt Ausstellungsmacherin Dr. Jutta Schrödl. [...]


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Leipziger Volkszeitung
Mittwoch, 29. Dezember 2004
Christine Hochstein

Sensible Beobachterin
Aus fünf Jahrzehnten: Gallerie Villa Bösenberg zeigt Zeichnungen von Ursula Mattheuer-Neustädt

"Wir wussten, was wir uns gegenseitig zu verdanken hatten, ich ihm und er mir", sagt Ursula Mattheuer-Neustädt. "Wir hatten eine völlig gleichberechtigte Beziehung."
Es ist einer der wenigen Momente, in denen sie spüren lässt, wie schwer der Verlust ihres Mannes für sie wiegt. Sie ist diszipliniert, als Frau ebenso wie als Künstlerin. Doch seit dem Tod von Wolfgang Mattheuer im April dieses Jahres hat sie keinen Zeichenstift mehr in die Hand genommen: "Mir fehlt noch die Kraft dazu".
Die Anstrengungen für die Ausstellung mit 115 ihrer Arbeiten aus mehr als fünf Jahrzehnten in der Villa Bösenberg hat sie nicht gescheut. "Über den Plan dazu haben wir wenige Tage vor seinem Tod gesprochen. Wolfgang hat sich darüber gefreut und mich sehr ermuntert", erklärt sie.
Wer Mattheuer kannte, weiß, dass er zornig werden konnte, wenn er seine Frau in seinen Schatten gestellt sah. Dass dies immer wieder mal geschah "liegt sicher auch daran, dass die Zeichnung weniger wahrgenommen wird als die Malerei, man muss schon genauer hinsehen", urteilt Ursula Mattheuer-Neustädt.
Der Blick auf ihre Arbeiten offenbart sensible Beobachtungsgabe und handwerkliche Perfektion. Feinst gesponnen sind die Gedanken wie die Linien von Bleistift oder Kugelschreiber, detailgenau und in den Tonwerten nuancierend. Ob die Talsperre in Pöhl nach einem trockenen Sommer (2002), die dramatischen Wolkengebirge im Montafon (1984) oder das Hochwasser im Elstertal (1986), stets sind ihre Landschaften auch Reflexionen der Innerlichkeit, die Erkanntes und Erlebtes verdichten.
Die Wahl der von ihr porträtierten Dichter reicht von der Klassik bis zur Gegenwartsliteratur und scheint nichts allgemein Verbindendes zu haben. Die Ausstellung zeigt die Arbeiten über Friedrich Hölderlin, Gertrud Kolmar und Ingeborg Bachmann.
"Was ihnen gemeinsam ist, ist eine gewisse Übereinstimmung mit meinem Selbstgefühl", erklärt Ursula Mattheuer-Neustädt. Die Gedichte, die sie zu den Zeichnungen geschrieben hat, sind der Versuch, Erfahrungen doppelt ablesbar zu machen, die sich hinter einer tiefgründigen Symbolik verbergen.
Schon als Schülerin an einem Mädchengymnasium ist ihr das Schreiben wichtig gewesen - und ist es bis heute geblieben. "Um etwas Nützliches zu machen, wollte ich Architektin werden", sagt die Künstlerin. Die Aufnahme-Prüfung bei Professor Henselmann in Weimar war schon bestanden, als sie sich kurzerhand entschloss, an der Kunstgewerbeschule in Leipzig zu studieren. Sie war 20 Jahre alt, als sie dort dem Kommilitonen Mattheuer begegnete. "Er sah mich zuerst nur von hinten. Wie ich statt zu sitzen auf einer Bank kniete, das hat im gefallen", erinnert sie sich.
Wenig später hat sie ihn und sich selbst porträtiert. Eine schöne, zarte junge Frau, die für ihr Alter viel zu ernst wirkt. "Wir waren vom Temperament ganz unterschiedlich", sagt sie. "Er war gesellig und hat das Gespräch gesucht, seine Streitbarkeit hat sich auch in der Dramatik seiner Bilder ausgedrückt. Ich bin eher verschlossen", urteilt sie. "Von unserer ersten großen Reise in die Sowjetunion kam er mit acht kleinen, fast fertigen Bildern zurück, ich nur mit einem Skizzenbuch."
In den mehr als fünf Jahrzehnten ihrer Ehe hat sie ihren Mann immer wieder still beobachtend gezeichnet: W. M. beim Frühstück, an der Staffelei, im Liegestuhl, am Badestrand, im Gebirge und im Garten. Nur wenige dieser intimen Einblicke sind bislang öffentlich gezeigt worden. Die Ausstellung widmet diesen 36 Blättern einen eigenen Raum.
"Wir hatten für dieses Jahr wieder eine große Reise geplant", sagt sie leise. Es bedeutet ihr ein großes Glück, als Mann und Frau und als Künstlergemeinschaft trotz aller Unterschiedlichkeit so nah beieinander gewesen zu sein. Aber diese Ausstellung ist keineswegs ein Requiem, vielmehr eine umfassende Sicht auf ein sehr lebendiges Werk.