"Paulinerkirche und (k)ein Ende" lautet der Titel einer kleinen Ausstellung mit
Zeichnungen und Architekturstudien in der Galerie Villa Bösenberg. Brisantes Detail der Vernissage am Freitagabend:
Erick van Egeraat, gefeierter Sieger des jüngsten Campus-Bau-Wettbewerbs, traf erstmals Paulinervereinschef Günter
Blobel.
Erick van Egeraat ist wohl das, was man einen "Fliegenden Holländer" nennt. Nach Leipzig kam er aus Moskau gedüst, wo
er gegenwärtig ein an der russischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts orientiertes Wohnhaus baut. "Ich war deswegen
bei Bürgermeister Luschkow und fliege von Leipzig auch wieder nach Moskau zurück." Günter Blobel, New Yorker
Medizinprofessor und Chef des Leipziger Paulinervereins, ist gerade mal wieder auf einer seiner häufigen
Deutschland-Touren. In Görlitz, nahe seines niederschlesischen Geburtsortes Waltersdorf, wurde vergangene Woche ein
Bildungszentrum nach ihm benannt. In Freiberg, wo er nach dem Krieg zur Schule ging, wird er in dieser Woche zum
50-jährigen Abitur-Jubiläum Hof halten. "Alles sehr schöne Termine; wie auch dieser hier in Leipzig", sagte Blobel. Er
sei "hoch zufrieden" mit dem Aula-Kirche-Entwurf Erick van Egeraats. Nach Jahren des heftigsten Streits hatte der
Ober-Pauliner - wie überhaupt der gesamte Verein - nicht mehr an einen Konsens geglaubt. "Kommt Zeit kommt Rat mit
Egeraat" entwickelte sich folglich zum Kalauer des Abends.
Der Gast aus Rotterdam hielt vor seinen neuen Fans noch einmal jenen Wort-Bild-Vortrag, mit dem er schon die
Wettbewerbsjuroren überzeugen konnte. "Vergangenes mit Heutigem verbinden" lautet die geistige Bau-Grundlage van
Egeraats. "Ein Motto meines im 19. Jahrhundert in Holland bauenden Kollegen Tilman van Gameren lautete: 'Denke global,
agiere lokal.' Ich drehe diesen Spruch um: Denke lokal, agiere global." Heißt konkret: Der Leipziger Aula Kirche-Bau
soll weit über seinen Standort hinaus für Aufsehen sorgen. [...]